"432 +/- mit m³" - Hans Castrup und Kristian Niemann

Ausstellung vom 26.5.2005 bis 15.6.2005

In einer Ausstellung "432 +/- mit m³" vom 26.5.2005 bis 15.6.2005, zeigt die GALERIE schwarz | weiss eine spannende Kombination mit Kunstwerken von Hans Castrup und Kristian Niemann. Dabei stehen die rythmisch angeordneten Malereien in einen raumgreifenden Dialog mit dem Bildhauereien.

Die Vernissage zur Ausstellung findet am 26.5.2005 ab 19:00 Uhr in der GALERIE schwarz | weiss statt. Die Einführung zur Ausstellung spricht der Künstler Kristian Niemann mit einem Vortrag "Über die Sinnhaftigkeit der Kunst".

Die Ausstellung mit Kunstwerken von Hans Castrup und Kristian Niemann wird bis zum 3.7.2005 verängert.

Impressionen der Ausstellung "432 +/- mit m³"

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kleine Bilder auf Leinwand

über die Malerei vom Hans Castrup

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In jungen Jahren beschäftigte sich Hans Castrup mit geometrischen Formen, die in zum Teil surrealistisch anmutenden Landschaften eingebunden waren. Nach und nach befreite er sich von der gegenständlichen Malerei und entwickelte einen eigenen abstrakt gestischen Stil.
Nicht immer waren die Arbeiten von Hans Castrup übersichtlich und streng durchkomponiert. Auch heute noch erkennt man bei naher Betrachtung, dass der geordneten Komposition eine ungeordnete Oberflächenstruktur entgegengesetzt wird. Die Struktur entsteht durch vielfaches Übereinanderlegen von Farbschichten und Lasuren, Einarbeiten von Leinwand oder Papier, ritzen, kratzen und spachteln.

Lebenslauf von Hans Castrup

Der 1957 in Osnabrück geborene Künstler studierte Kunstwissenschaft an der dortigen Universität (Magister Artium). Hans Castrup arbeitet freischaffend in Osnabrück und hat seit 1978 Ausstellungen im In- und Ausland. Im Jahr 1990 ernannte ihn die St. Petersburger Künstlervereinigung "Phönix" zum Ehrenmitglied. 1996 und 1997 war Hans Castrup als Dozent für Radierung an der Akademie für bildende Kunst, Vulkaneifel, tätig.

Das Wesen des Steins

Kristian Niemann über seine Bildhauerei

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Zu der Autonomie der Form befreit, sind bewegte Steine prophetisch
Kristian Niemann, 2004

Das Wesen des Steins äußert sich in seiner reinen Existenz. Von daher erscheint der Stein als Symbol für das menschliche Selbst besonders geeignet.
Die monumentalen steinernen Heiligtümer der Megalith-Kultur deuten in besonderer Weise auf diesen Zusammenhang hin.
Schon die alten Germanen glaubten, dass die Seelen der Toten in den Grabsteinen weiter existierten, dass etwas ewiges von den Verstorbenen übrig sei, dass sich am geeignetsten in einem Stein symbolisieren ließe.
Die Erscheinung, dass das häufigste Symbol des Selbst ein Gegenstand aus anorganischer Materie ist, weist - so C.G. Jung - auf das Phänomen einer noch ungeklärten Beziehung von Geist und Materie hin.
In diesem Bereich entsteht Zufall als sinnvolles Zusammentreffen eines inneren mit einem äußeren Ereignis, ohne kausalen Zusammenhang. Dieses Phänomen bezeichnet C.G.Jung als "Synchronizität".

Lebenslauf von Kristian Niemann

Der 1958 in Ibbenbüren geborene Kristian Niemann hat sein Studium der Kunst und Kunsttherapie 1981 – 1985 an der Freien Kunststudienstätte Ottersberg bei Bremen mit Diplom abgeschlossen.
Kristian Niemann lebt und arbeitet in Münster.

Kunstschau weckt das Bedürfnis nach Berührung

Von Tom Bullmann, Osnabrück im Feuilleton der Neue Osnabrücker Zeitung vom 23.06.2005

Zwei Künstler, Skulpturen von dem einen, Leinwandbilder von dem anderen, sowie ein kryptischer Titel – das sind die Eckdaten einer Ausstellung, die noch bis zum 3. Juli in der GALERIE schwarz | weiss zu sehen ist. "432 +/- mit m3" – so der Titel der Kunstschau – liefert entschlüsselt einerseits einen Hinweis auf die Formate der Bilder von Hans Castrup: 47 Exponate weisen mehr oder weniger das Format 18 x 24 Zentimeter auf.
Miteinander multipliziert ergibt das die Zahl 432. Andererseits soll das Kubikmeterzeichen darauf hindeuten, dass auch Raum einnehmende Ausstellungstücke präsentiert werden – Skulpturen aus unterschiedlichsten Werkstoffen, die alle eins gemeinsam haben: Sie wecken das Bedürfnis nach Berührung. Weich fließende, bisweilen entfernt an den menschlichen Körper erinnernde Formen schuf Kristian Niemann aus Marmor und Sandstein. "Das Wesen des Steins äußert sich in seiner reinen Existenz. Daher erscheint der Stein als Symbol für das menschliche Selbst besonders geeignet", erklärt Niemann die Wahl seines Werkstoffs.
Titel wie "Erwachen", "Emotion" oder "Tanzend" führen den Betrachter in eine Richtung, aus der er sich den abstrakten, sinnlich geformten Plastiken zu nähern vermag. Aber auch unbearbeitete Bruchstellen und Spuren der Steingewinnung wie parallel verlaufende Bohrlöcher werden in einigen Werken sichtbar, die so "Gegen den Strom" der Harmonie verbreitenden Skulpturen fahren. In Reih und Glied geordnet im Galerieraum aufgestellt, korrespondieren die Steinfiguren formal mit den kleinformatigen Bildern an der Wand, die, im gleichen Abstand und in gleicher Höhe gehängt, wie ein Fries, ein abwechslungsreiches Schmuckband, wirken. Jedoch fixiert der Betrachter aus der Distanz automatisch einzelne Ölbilder und entdeckt in den titellosen, abstrakten Werken geradezu architektonische Inhalte.
Tiefe Räume entwickeln sich aus den vielfach übereinander gelegten Farbschichten und Lasuren, die Castrup durch Einarbeiten von Leinwand und Papier, durch Ritzen, Kratzen und Spachteln zu mehrdimensionalen Körpern formt. Das wiederholt verwendete Motiv des Rasters findet sich auch in einigen großformatigen Bildern wieder, deren geometrischen Strukturen allerdings gestische Formen und Linien entgegengestellt werden. Castrup hat sich von den düster-dunklen Sujets verabschiedet. Seine aktuellen Bilder wirken gerade auf Grund der Farbgebung heiter - strahlend – erstaunlich, denn er bedient sich in den einzelnen Werken der gesamten Farbpalette. Dennoch wirken die Kompositionen nicht wild, nicht kunterbunt. Farbe und Form folgen einer Ordnung, die sich dem Betrachter nach und nach erschließt.

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